Militärgeschichte 01/2025

Die „Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung“ gibt es seit 1986. Im Jahr 2021 hat sie ein optisch und konzeptionell neues Gesicht erhalten. Die Publikumszeitschrift erreicht mit vier Ausgaben pro Jahr und einer Auflage von jeweils rund 17.000 Heften alle Bereiche in den Streitkräften.

Die Zeitschrift dient der historischen Bildung in der Truppe. Sie will den Ausbilder unterstützen, der mit der Vorbereitung und Durchführung von entsprechenden Unterrichtseinheiten betraut ist. Gleichzeitig soll sie aber jeden historisch Interessierten ansprechen und an Militärgeschichte heranführen.

Die „Militärgeschichte“ ist durchgehend bebildert. Sie enthält auf 40 Druckseiten je Ausgabe mehrere kleinere und größere Beiträge zu ausgewählten Themen sowie einen Serviceteil mit Lesetipps, Empfehlungen im Bereich Neue Medien sowie Hinweisen zu Ausstellungen.

Heftinhalt:

  • INTERNATIONALE MILITÄRGESCHICHTE
    Ein stolpernder Gigant
    Die USA und das Ende des Vietnamkriegs
  • INTERNATIONALE MILITÄRGESCHICHTE
    »Tunnel Rats« und Tora Bora
    Unterirdische Kriegführungvor 50 Jahren
  • BUNDESWEHRGESCHICHTE
    Umkämpfte Identität
    Die Geschichte der Namensgebung von Kasernen
    in der Bundeswehr
  • GESCHICHTE KOMPAKT
    Befreiung von Auschwitz | 1945
    Todestag Peters des Großen | 1725
    Aufbau der Wehrmacht | 1935
  • BUNDESWEHRGESCHICHTE
    Den Feind festnehmen
    Die Entwicklung des Kriegsgefangenenwesens
    in der Bundeswehr

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Bundeswehr bestellt bei Rheinmetall 568 Logistikfahrzeuge – Auftragswert über 330 MioEUR

Die Bundeswehr hat Rheinmetall mit der Lieferung von 568 Logistikfahr­zeugen beauftragt. So sollen 349 Lkw des Typs UTF (Ungeschütztes Transportfahrzeug) in den Varianten 5t und 15t, sowie 219 Lkw mit Wechselladersystem (WLS), davon 121 mit geschütztem Fahrerhaus, beschafft werden. Der Gesamtwert beider Vorhaben beläuft sich auf über 330 MioEUR brutto. Die UTF-Lkw sollen im Jahr 2026, die Wechsellader bis November 2025 ausgeliefert werden. Der Haushalts­ausschuss des Deutschen Bundestags hatte am 18. Dezember 2024 die Mittel freigegeben, sodass Rheinmetall die Aufträge für das vierte Quartal 2024 eingebucht hat.

Bei den UTF-Lkw handelt es sich um Abrufe aus dem im Juli 2024 geschlossenen Rahmen­vertrag – dem bisher größten Auftrag der Unternehmens­geschichte im Bereich der logistischen Fahrzeuge. Dieser sieht die Lieferung von bis zu 6.500 Lkw im Wert von bis zu 3,5 MrdEUR brutto vor. Durch den Rahmenvertrag hat die Bundeswehr die Möglichkeit, über sieben Jahre flexibel weitere Stückzahlen der bereits eingeführten Ungeschützten Transportfahrzeuge UTF 5t und UTF 15t-Lkw zu bestellen. Zusätzlich wird eine neue Fahrzeugklasse über den Rahmen­vertrag eingeführt: die 4×4-Variante UTF 3,5t. Sie verfügt über ein Höchstmaß an Gleichteilen zu der UTF-Familie.

Im Jahr 2024 hat Rheinmetall mit der Rekordauslieferung von 2.015 Logistik­fahrzeugen einen maßgeblichen Beitrag zur Stärkung der logistischen Fähigkeiten der Bundeswehr geleistet. Damit kam die Modernisierung der Bundeswehr-Lkw-Flotte und der Aufbau der logistischen Kapazitäten mit großen Schritten voran. Bei den im zurückliegenden Jahr gelieferten Fahrzeugen handelt es sich um 1.715 Wechsellader­systeme, 250 Ungeschützte Transportfahrzeuge und 50 Sattelzugmaschinen aus den bestehenden Rahmenverträgen zwischen dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH. Die hohe Stückzahl und die schnelle Lieferung zeigen eindrücklich, dass die Zeitenwende im Bereich der Bundeswehrbeschaffung eingeläutet wurde und unterstreichen die Bedeutung von Rheinmetall als verlässlicher Partner für die Streitkräfte.

Die UTF-Familie trägt bereits seit einigen Jahren wesentlich zur Leistungsfähigkeit der logistischen Einheiten und Verbände der Bundeswehr bei. Im Juli 2017 beauftragte die Bundeswehr Rheinmetall MAN mit der Lieferung ihrer neuen Familie „UTF mil gl in den Zuladungsklassen 5t und 15t“. Durch die Anwendung flexibler Rahmenverträge bei hohen Stückzahlen in der militärischen Beschaffung haben sich die UTF dahingehend zum Vorzeigeprojekt entwickelt. Seit 2017 wurden gemeinsam mit den WLS und Sattelzugmaschinen 70t mehr als 6.000 HX-Fahrzeuge an die Bundeswehr geliefert. Ein großer Teil der Wertschöpfung bei WLS und UTF – über 75 Prozent – erfolgt hierbei in Deutschland.

UTF und WLS basieren auf der robusten HX-Fahrzeugfamilie der RMMV. Von vornherein auf militärische Nutzung ausgelegt, zeichnen sie sich durch hohe Mobilität auch in schwerem Gelände aus. Die hohe weltweite Verbreitung der HX-Fahrzeugfamilie bringt gerade im Hinblick auf multinationale Einsätze große Vorteile bei Interoperabilität und Logistik. Aktuell gehören neben Deutschland unter anderem Großbritannien, Australien, Neuseeland, Norwegen, Schweden, Österreich, Ungarn, Singapur, Slowenien, Dänemark und auch die Ukraine zum Nutzerkreis. Der neuerliche Auftrag zeigt die hohe Akzeptanz der bewährten HX-Fahrzeuge. Mehr als 20.000 Stück befinden sich bereits weltweit in Nutzung.

 

Quelle: Rheinmetall AG (Text und Bild)

Aus dem Bundesvorstand sind ausgeschieden: (von links OStFw a.D. Volker Zarth, GenLt Gerald Funke, Oberstlt Roman Schlosser und Oberstlt a.D. Joseph Steibel) Blauer Bund

Verdiente Mitglieder erfahren Ehrung durch den bB

In Anlehnung an eine Sitzung des Bundesvorstandes des bB wurden vier ehemalige Vorstandsmitglieder aus diesem Kreis verabschiedet und geehrt.

Nach gut dreieinhalb Jahren hatte GenLt Gerald Funke den Staffelstab als Präsident des bB an seinen Nachfolger übergeben. Er blickt auf eine bewegte Zeit zurück, hatte er doch während der Coronapandemie das Amt übernommen und den Verein um viele damit zusammenhängende Klippen geschifft. Darüber hinaus hat GenLt Funke viele inhaltliche Impulse gesetzt und besonders für die Informationsveranstaltung wiederkehrend thematisch passende, hochrangige Vortragende gewinnen können.

Die siebenundzwanzig Jahren Vorstandsarbeit, auf die OStFw a.D. Volker Zarth zurückblicken kann, sind zeitlich kaum zu  übertreffen. Als langjähriger Schatzmeister hat er die finanziellen Geschicke ohne jegliche Beanstandung und zum Wohle des Vereins geleitet. Als Webmaster hat er für einen stets aktuellen und seit einigen Jahren auch modernen und zukunftsfähigen Internet-Auftritt des bB gesorgt. Er hat zusätzlich weit über sein Aufgabenfeld hinaus Ideen und Projekte für den bB vorangetrieben, wie zuletzt das neue Corporate Design, das sich auf Webseite, Messestand und im Magazin wiederfindet. Eine abschließende Aufzählung seiner Verdienste für den bB an dieser Stelle würde den Rahmen sprengen.

Für zehn Jahre war Oberstlt Roman Schlosser der Redakteur des bB. In dieser Zeit hat er zehn Magazine und dreißig Newsletter des Vereins federführend bearbeitet und dazu eine Vielzahl von Autoren für Beiträge gewinnen können oder Artikel selbst verfasst. Regelmäßig werden die Publikationen des bB von den Mitgliedern als wichtige Säule der Attraktivität des bB angesprochen, hierzu hat er einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Ebenfalls zehn Jahre stand Oberstlt a.D. Joseph Steibel dem Bundesvorstand als Beisitzer zur Verfügung. Als wertvoller Ratgeber und Federführer für einzelne Projekte, wie die Digitalisierung der Vereinschronik, Satzungsänderungen oder die Umsetzung des Datenschutzgrundverordnung, hat er sich für den bB sehr verdient gemacht.

Aus dem Bundesvorstand sind ausgeschieden: (von links OStFw a.D. Volker Zarth, GenLt Gerald Funke, Oberstlt Roman Schlosser und Oberstlt a.D. Joseph Steibel) Blauer Bund
Ehemalige Mitglieder des Bundesvorstand (von links OStFw a.D. Volker Zarth, GenLt Gerald Funke, Oberstlt Roman Schlosser und Oberstlt a.D. Joseph Steibel) wurden am 20.01.2025 geehrt.

Der aktuelle Bundesvorstand war ebenfalls einstimmig dieser Auffassung und so sprach unser neuer Präsident GenMaj Jochen Deuer folgende Ehrungen aus:

Ehrenmitglied

  • GenLt Gerald Funke

Verdienstnadel in GOLD

  • OStFw a.D. Volker Zarth
  • Oberstleutnant Schlosser
  • Oberstlt a.D. Joseph Steibel

Text: Oberst a.D. Thomas Mönnighoff

Brigade Litauen erhält 65 Dingo 2-Fahrzeuge

Als besonderes Signal der Solidarität mit den Bündnispartnern und zur Stärkung der Verteidigungsbereitschaft an der NATO-Ostflanke setzt Deutschland seine Führungsverantwortung mit der Aufstellung einer Brigade für Litauen um. Die dauerhafte Stationierung der Brigade gilt als Leuchtturmprojekt der sicherheitspolitischen Zeitenwende. Anfang April dieses Jahres begann die Stationierung der Brigade Litauen mit einem Vorkommando.

Bis Ende 2024 wird dieses zu einem Aufstellungsstab aufgewachsen sein. Im Jahr 2025 wird die Brigade dann in Dienst gestellt und die Truppenverlegung beginnt schrittweise. 2027 soll die Brigade dann einsatzfähig sein.

Für Anfang 2027 ist auch die Auslieferung der ersten, heute durch das Beschaffungsamt der Bundeswehr beauftragten 65 Dingo 2 vorgesehen.

Allschutz-Transport-Fahrzeug (ATF) Dingo 2 A4.1 steht im Gelände auf dem Truppenübungsplatz
Bildrechte: Bundeswehr/Ralph Zwilling

Der Dingo 2 ist ein geschütztes Radfahrzeug, das in vielen verschiedenen Umgebungen und Szenarien eingesetzt werden kann, besonders auf Konvoi- und Patrouillenfahrten oder Aufklärungsmissionen. Durch sein modulares Panzerungssystem bietet er eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen ballistische Bedrohungen, Minen und Improvised Explosive Devices, kurz IEDs. Seine Waffenstation ist unter Panzerschutz fernbedienbar. Daher wird der Dingo auch oft als „die Lebensversicherung für die Truppe“ bezeichnet.

In der Version Patrouillen- und Sicherungsfahrzeug wurden 2023 zunächst 50 Fahrzeuge über eine Rahmenvereinbarung beauftragt. Mit heutigem Abruf werden 65 weitere Fahrzeuge in dieser Ausführung beschafft, um die geschützte Mobilität der deutschen Soldatinnen und Soldaten in Litauen sicherzustellen.

Durch seine Abmessungen ist das Fahrzeug außerdem luftverladbar und hochmobil, sodass auch enge und kurvenreiche Straßen in bebautem Gebiet gut befahren werden können. Sein Unimog-Fahrgestell sowie der Allrad-Antrieb machen den Dingo wendig und geländegängig. Dabei bietet diese Version Platz für bis zu sieben Personen.

Die Bundeswehr nutzt bereits mehr als 500 Dingos in unterschiedlichen Versionen. Großteils werden sie im Heer und bei der Streitkräftebasis eingesetzt.

Quelle: PIZ  BAAINBw

Weitere Reaktivschutzmodule für die Kriegstauglichkeit des Schützenpanzer Puma

Die hochmoderne Reaktivschutztechnologie bildet einen wesentlichen Bestandteil des Schutzes für den Schützenpanzer Puma und seine Besatzung.

Um die Durchhaltefähigkeit des Pumas im Einsatz über einen längeren Zeitraum zu gewährleisten, hat das Beschaffungsamt der Bundeswehr heute einen Rahmenvertrag geschlossen, der die Beschaffung einer sogenannten Einsatzbevorratung ebendieser Reaktivschutzmodule ermöglicht.

Mengenmäßig entspricht die heutige Festbeauftragung zunächst in etwa der Ausstattung in der Größenordnung eines Bataillons. Damit wird die Panzergrenadiertruppe unter anderem für ihren Einsatz im Rahmen der Brigade Litauen bestmöglich vorbereitet.

 

Soldaten der 10. Panzerdivision üben mit dem Schützenpanzer Puma das Gefecht
Bildrechte: Bundeswehr/Marco Dorow

Die Reaktivpanzerung ist eine Add-on-Lösung, die außen am Schützenpanzer angebracht wird und Explosivstoff enthält. Sobald eine Hohlladung darauf trifft, wird der Explosivstoff ausgelöst und eine Platte in Gegenrichtung des Hohlladungsstachels beschleunigt. Dadurch kann die Wirkung der Hohlladung effektiv und mit vergleichsweise geringem Gewichtseinsatz abgewehrt werden. Die Module schützen die Besatzung zudem vor ballistischen Bedrohungen, insbesondere aber vor Panzerabwehrhandwaffen.

Die Auslieferung der Module soll voraussichtlich bis Ende 2028 abgeschlossen sein.

Quelle: PIZ AIN

 

Bundeswehr erhält verlegefähige Rechenzentren für die Einsatzgebiete

Mit dem Projekt „German Mission Network Block 1“ (GMN 1) erhält die Bundeswehr verlegefähige, modular aufgebaute sowie skalierbare Rechenzentren. Diese stellen in den Einsatzgebieten multinational interoperable IT-Services zur Verfügung und verlängern somit die IT-Services aus den stationären Rechenzentren im Inland in die Einsatzgebiete. Dabei bilden diese Rechenzentren zusammen mit den stationären Basen im Inland eine logische Einheit. Sie ermöglichen einen verzugslosen Informationsaustausch innerhalb der Teilstreitkräfte und mit NATO-Partnern.

Containerlösung eines verlegefähigen Rechenzentrums GMN 1
Bildrechte/Fotograf: PIZ AIN

Dazu hat das Beschaffungsamt der Bundeswehr heute einen Vertrag mit der BWI GmbH geschlossen. Neben der Bereitstellung der verlegefähigen Rechenzentren beinhaltet der Vertrag deren Anbindung an die stationären Rechenzentren, Test- und Ausbildungsanlagen sowie die Erweiterung der Kapazitäten der stationären Rechenzentren in Deutschland (Basis Inland). Das Projekt wird aus dem Sondervermögen Bundeswehr finanziert und wurde gestern durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages gebilligt.

GMN 1 stellt einen äußerst wichtigen, systemrelevanten Baustein in der Ende-zu-Ende-Kette dar, die Streitkräfte in einen durchgängig digitalisierten, dem Stand der Technik entsprechenden Systemverbund zu integrieren. Die mit GMN 1 aufzubauende IT-Infrastruktur ist ein Kernstück für die erfolgreiche Durchführung militärischer Operationen der Bundeswehr auf dem digitalisierten Gefechtsfeld von heute und morgen. Diese neuen digitalen Fähigkeiten sind von erheblicher Bedeutung für die Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr.

Quelle: PIZ AIN

Im Projekt ZEBEL handelt es sich im Wesentlichen um Einzelverbrauchsgüter, die in der Zentrallogistik der Bundeswehr bevorratet und dem Logistikdienstleister auf Anforderung bereitgestellt werden. Dieser lagert die Güter in einer von ihm zu betreibenden eigenen Lagereinrichtung im Sinne eines Kommissionierlagers ein. Blauer Bund

Fortführung der Zentralen Ersatzteil-Logistik der Bundeswehr gesichert

Mit der kürzlich erfolgten Vertragsunterzeichnung zwischen dem Beschaffungsamt der Bundeswehr und dem Auftragnehmer Elektroniksystem- und Logistik-GmbH (ESG) wird die Fortführung der Zentralen Bundeswehr Ersatzteil Logistik (ZEBEL) sichergestellt. Der derzeitige Vertrag läuft am 31. August 2026 aus. Durch den frühzeitigen Anschlussvertrag wird das Leistungsspektrum für den Zeitraum ab 1. September 2024 bis zum 31. Dezember 2032 mit der Option auf zwei weitere Jahre langfristig und unterbrechungsfrei erweitert. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hatte Mitte Mai der Verlängerung bereits zugestimmt.

Vertragsunterzeichnung des BAAINBw, vertreten durch die Präsidentin des Amtes, Annette Lehnigk-Emden (r.), und der Fa. ESG, vertreten durch Dr. Daniel Westhoff (l.), Mitglied der Geschäftsleitung und Prokurist, sowie Leiter der Division Land Blauer Bund
Vertragsunterzeichnung des BAAINBw, vertreten durch die Präsidentin des Amtes, Annette Lehnigk-Emden (r.), und der Fa. ESG, vertreten durch Dr. Daniel Westhoff (l.), Mitglied der Geschäftsleitung und Prokurist, sowie Leiter der Division Land. ©Bundeswehr/Dirk Bannert

Im klassischen Projektanteil ZEBEL handelt es sich bei der Versorgung in der Praxis im Wesentlichen um Einzelverbrauchsgüter, die in der Zentrallogistik der Bundeswehr bevorratet und dem Logistikdienstleister auf Anforderung bereitgestellt werden. Dieser lagert die Güter in einer von ihm zu betreibenden eigenen Lagereinrichtung im Sinne eines Kommissionierlagers ein. Das Leistungsspektrum umfasst auch den Transport zu den Instandhaltungseinrichtungen zum gewünschten Termin oder binnen 48 Stunden und die Abwicklung aller dazugehörigen Managementfunktionen in enger Zusammenarbeit mit dem Logistikkommando, Logistikzentrum und Beschaffungsamt der Bundeswehr.

Im jüngeren Projektanteil nicht-autarker Bundeseigener Lager werden Luftfahrzeuge, Luftfahrtgerät und Zusatzausrüstung der Bundeswehr (LLZ) größtenteils bei zivilen Firmen und Einrichtungen instandgehalten, mit denen dazu separate Instandhaltungsrahmenverträge vereinbart werden. Zur Sicherstellung einer kontinuierlichen Versorgung mit Ersatzteilen verfügen diese zum Teil über sogenannte nicht-autarke Bundeseigene Lager, um Versorgungsgüter im Eigentum der Bundeswehr zu bevorraten und eine Übernahme von bestimmten Versorgungsgütern in das Eigentum des Bundes zu ermöglichen. Durch das Projekt ZEBEL wird die Firma ESG weiterhin damit beauftragt, die für die Ersatzteilversorgung erforderlichen Daten- und Materialmanagementleistungen zu erbringen.

Über eine IT-Schnittstelle erfolgt projekt-übergreifend eine standardisierte Anbindung der zivilen Einrichtungen an das IT-System der Bundeswehr. Damit sind alle notwendigen Voraussetzungen geschaffen, um die Instandhaltungseinrichtungen der Bundeswehr und ziviler Dienstleister jederzeit mit Versorgungsgütern zeitgerecht zu versorgen und durch einen medienbruchfreien Datenaustausch entscheidend zu verbessern.

Im Projekt ZEBEL handelt es sich im Wesentlichen um Einzelverbrauchsgüter, die in der Zentrallogistik der Bundeswehr bevorratet und dem Logistikdienstleister auf Anforderung bereitgestellt werden. Dieser lagert die Güter in einer von ihm zu betreibenden eigenen Lagereinrichtung im Sinne eines Kommissionierlagers ein. Blauer Bund
Im Projekt ZEBEL handelt es sich im Wesentlichen um Einzelverbrauchsgüter, die in der Zentrallogistik der Bundeswehr bevorratet und dem Logistikdienstleister auf Anforderung bereitgestellt werden. Dieser lagert die Güter in einer von ihm zu betreibenden eigenen Lagereinrichtung im Sinne eines Kommissionierlagers ein. © Bundeswehr/PIZ AIN

Im klassischen Projektanteil ZEBEL werden derzeit etwa 450 Leistungsempfänger versorgt und das Material- & Datenmanagement für derzeit 27 nicht-autarke Bundeseigene Lager betrieben.

Text: PIZ AIN

 

Der Vorsitzende der Kameradschaft Bad Neuenahr/Ahrweiler, Oberstlt a.D. Becker (re), verabschieded den langjährigen Kassenwart Oberstlt a.D. Kanter (li). Blauer Bund

Kameradschaft Bad Neuenahr/Ahrweiler – Änderungen im Vorstand

Auf der letzten Mitgliederversammlung der Kameradschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler wurden einige Umbesetzungen im Vorstand vorgenommen.

Als Nachfolger für unseren verstorbenen Kameraden Oberstlt a.D. Koch-Schulte wurde Oberstlt a.D. Trabert zum Beisitzer gewählt.

Da unser Kassenwart Oberstlt a.D. Kanter einen Wohnungswechsel nach Aachen plant, wurde auf der Mitgliederversammlung, als neuer Kassenwart – bereits im Vorgriff – Hptm a.D. Mang gewählt.

Oberstlt a.D. Kanter hat Anfang des Jahres die Kasse an Hptm a.D. Mang übergeben. Bei der letzten Vorstandssitzung wurde Oberstlt a.D. Kanter offiziell verabschiedet.

Vor seiner Zeit bei der Kameradschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler war Oberstlt a.D. Kanter bereits sehr aktiv in der Kameradschaft Aachen tätig, zu der er zurückkehren wird.

Der Vorstand bedankt sich für die gute Zusammenarbeit und wünscht ihm für die Zukunft alles Gute.

Der Vorsitzende der Kameradschaft Bad Neuenahr/Ahrweiler, Oberstlt a.D. Becker (re), verabschieded den langjährigen Kassenwart Oberstlt a.D. Kanter (li). Blauer Bund
Der Vorsitzende der Kameradschaft Bad Neuenahr/Ahrweiler, Oberstlt a.D. Becker (re), verabschieded den langjährigen Kassenwart Oberstlt a.D. Kanter (li).

Text und Bild: Oberstlt a.D. Becker

 

Der Arbeitsplatz von Pilot und Co-Pilot ist auch für die Techniker der Flugzeugmuster ein Schwerpunkt der Arbeit. - Blauer Bund

Technikteams der Deutschen Marine am P-8A – Lufthansa Technik stellt Training sicher

Theorie-, Praxis- und „On-the-job“-Training am Grundmuster Boeing 737NG

Frühzeitige Schaffung wichtiger Qualifikationsgrundlagen für Techniker:innen der Deutschen Marine

Stufenweise Vorbereitung auf die Einflottung des Seefernaufklärers 2025

Etwa ein Jahr vor der geplanten Einflottung des neuen Seefernaufklärers hat Lufthansa Technik vor kurzem begonnen, erste Techniker:innen der Deutschen Marine für die Betreuung der P-8A Poseidon zu qualifizieren. Im Rahmen der ersten Lehrgänge haben bereits mehrere Teilgruppen beim Tochterunternehmen Lufthansa Technical Training (LTT) ihre Praxistrainings für die Boeing 737NG, dem Grundmuster der P-8A, durchlaufen. Auch die ersten, darauf aufbauenden, „On-the-job“-Trainings bei Lufthansa Technik Budapest haben bereits begonnen. In deren Nachgang ist dann lediglich noch ein Differenzkurs erforderlich, um die militärische P-8A Poseidon instandhalten zu dürfen.

Mit Services für Tausende von zivilen Boeing 737 aller gängigen Baureihen besitzen Lufthansa Technik und zahlreiche Tochterunternehmen eine enorme Expertise für diesen Flugzeugtyp, die sich – bedingt durch viele technische Gemeinsamkeiten – auch für die Betreuung der P-8A als militärisches Derivat anwenden lässt. Die drei verschiedenen Trainings – Theorie, Praxis und On-the-Job – führt das Unternehmen im Unterauftrag des Flugzeugherstellers und Hauptauftragnehmers Boeing durch. Die ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH gehört ebenfalls zum deutschen Industrieteam.

Im Rahmen des Praxistrainings für die Boeing 737NG (Next Generation) sammelt das technische Personal erste „Hands-on“-Erfahrungen und Qualifikationen im Rahmen der sogenannten „Line Maintenance“ (deutsch: Wartung), also in der technischen Betreuung während des täglichen Betriebs der Flugzeuge. In der Qualifikation der ersten 24 Techniker:innen der Deutschen Marine wird LTT dabei von ihrem langjährigen Kooperationspartner SunExpress unterstützt. Die Trainings wurden an verschiedenen Boeing 737NG der Ferienfluggesellschaft, einem Joint-Venture von Lufthansa Airlines und Turkish Airlines, an deren Wartungsbasis in Antalya durchgeführt.

Zunächst werden die Techniker:innen der Deutschen Marine an der Boeing 737NG, dem Grundmuster der P-8A, geschult. - Blauer Bund
Zunächst werden die Techniker:innen der Deutschen Marine an der Boeing 737NG, dem Grundmuster der P-8A, geschult.

Für die nachfolgenden „On-the-job“-Trainings verlegt das Technikpersonal der Marine dagegen seit Ende Januar nach Ungarn. Da die Flugzeuge hierfür deutlich länger verfügbar sein müssen und besserer Zugang zu ihrer Struktur und ihren Subsystemen benötigt wird, ist für diesen Qualifizierungsschritt der Überholungsbetrieb von Lufthansa Technik Budapest verantwortlich. In einem Intensivkurs mit vorteilhaftem Betreuungsschlüssel – ein Trainer kommt auf gerade einmal vier Prüflinge – erlangt das Personal der Marine hier die notwendigen Qualifikationen für komplexere Arbeitsschritte inklusive der damit verbundenen Freigabeprozesse, beispielsweise für die Reparatur sowie den Wechsel verschiedener umfangreicherer Komponenten und Subsysteme der Boeing 737NG.

Durch die mehrstufigen Trainings von Lufthansa Technik auf der Boeing 737NG erwerben die Techniker:innen bereits zahlreiche grundlegende Qualifikationen für den zukünftigen Umgang mit der P-8A Poseidon. Ein zusätzliches P-8A-Differenztraining schult anschießend die musterspezifischen Bestandteile und stellt den letzten Ausbildungsschritt dar. Zukünftig wird das aktuelle Ausbildungskonstrukt über das Grundmuster Boeing 737NG für die initiale Befähigung der Marinesoldaten von einem reinen P-8A-Typentraining abgelöst, welches alle Schulungselemente an der „Poseidon“ selbst vorsieht. Vor allem die praktisch orientierten Trainings können dann am Fluggerät der Deutschen Marine absolviert werden.

Der Arbeitsplatz von Pilot und Co-Pilot ist auch für die Techniker der Flugzeugmuster ein Schwerpunkt der Arbeit. - Blauer Bund
Der Arbeitsplatz von Pilot und Co-Pilot ist auch für die Techniker:innen der Flugzeugmuster ein Schwerpunkt der Arbeit.

„Die Boeing 737 ist seit den Sechzigerjahren regelmäßiger Gast in unseren Hangars. Über die Jahrzehnte konnten wir ein fast konkurrenzloses technisches Wissen zu diesem Flugzeugtyp aufbauen, das wir nun sehr gern auch an das technische Personal der Deutschen Marine weitergeben”, sagte Sascha Leitner, Head of Defense Programs bei Lufthansa Technik. “In den effizienten Trainings in unserem Netzwerk geben wir den Technikerinnen und Technikern der Deutschen Marine alle notwendigen Grundlagen mit, um sich nach Ankunft der ersten Flugzeuge auch für die P-8A zu qualifizieren. Ein echter Trainings-Dreizack für Poseidon. Als stolzer Teil des deutschen P-8A-Industrieteams wollen wir so dazu beitragen, die Einflottung des neuen Seefernaufklärers so effizient wie möglich zu gestalten.”

Modernen Flugzeugmustern mangelt es nicht an integrierter Technik. Die Methode „On-the-job“-Training macht das Erlernte nachhaltig. - Blauer Bund
Modernen Flugzeugmustern mangelt es nicht an integrierter Technik. Die Methode „On-the-job“-Training macht das Erlernte nachhaltig.

„Die frühzeitige Umschulung unseres Personals auf das Grundmuster 737NG ermöglicht es uns noch vor der Auslieferung der ersten P-8A erste Erkenntnisse zu sammeln und Erfahrung aufzubauen”, sagte Fregattenkapitän Alexander von Schledorn, verantwortlich für die Ausbildung des technischen Personals der Marineflieger in Nordholz. „Mit dem Übergang von der P-3C Orion zur P-8A Poseidon machen wir einen riesigen technologischen Schritt. Die Techniker:innen freuen sich, bald an der neuen P-8A arbeiten zu dürfen.”

„Wir sind dankbar für die kontinuierlichen Beiträge von Lufthansa Technik zur Unterstützung des deutschen P-8A-Programms“, sagte Conner Chavez, Director Government Services bei Boeing Global Services. „Diese Aktivitäten sind entscheidende Schritte in der Zusammenarbeit mit unserem deutschen P-8A-Industrieteam, um der Deutschen Marine die hochwertigen Fähigkeiten der Poseidon und eine lokale Infrastruktur für die Instandhaltung zur Verfügung zu stellen.“

 

Über Lufthansa Technik Defense:

Ihre strategische Entscheidung, stärker am Markt für die Instandhaltung von militärischem Fluggerät partizipieren zu wollen, unterstreicht die Lufthansa Technik AG seit 2023 mit der Marke Lufthansa Technik Defense, unter der alle Aktivitäten im Verteidigungsgeschäft für die Bundeswehr und ihre NATO-Partner gebündelt werden. In vielen Modernisierungs- und Beschaffungsprogrammen für die deutschen Luft- und Seestreitkräfte ist Lufthansa Technik bereits Teil der Industrieteams, so zum Beispiel beim Seefernaufklärer P-8A Poseidon oder dem Schweren Transporthubschrauber CH-47 Chinook. Darüber hinaus hat Lufthansa Technik Defense mit Lockheed Martin, Rheinmetall und ESG ein Memorandum of Understanding für die technische Betreuung der zukünftigen deutschen Flotte von F-35-Kampfflugzeugen unterzeichnet.

 

Über Lufthansa Technik:

Der Lufthansa Technik Konzern ist einer der weltweit führenden Anbieter flugzeugtechnischer Dienstleistungen. Mehr als 23.000 Beschäftigte sind für den international zertifizierten Instandhaltungs-, Herstellungs- und Entwicklungsbetrieb an dutzenden Standorten rund um den Globus tätig. Das Angebot von Lufthansa Technik umfasst das gesamte Service-Spektrum für Verkehrs-, VIP- und Special-Mission-Flugzeuge. Dazu gehören die Wartung, Reparatur, Überholung und Modifikation sowohl von ganzen Flugzeugen als auch von ihren Triebwerken, Komponenten und Fahrwerken, sowie die Herstellung von innovativen Kabinenprodukten und eine digitale Flottenbetreuung.

Text und Bilder: Pressestelle der Lufthansa Technik

Die Troika im Rahmen der Übung Citadel Bonus 2023. Links Generalmajor Georg Klein, Mitte Generalleutnant Emmanuel Gaulin, rechts Generalmajor Jean Bouillaud - Blauer Bund

Die Beteiligung des Heeres am Rapid Reaction Corps France

Die „Zeitenwende“ findet auch bei unserem größten Nachbarn statt, die französischen Landstreitkräfte werden konsequent auf ihre Aufgaben im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung ausgerichtet. Hieran hat auch das Deutsche Heer unmittelbaren Anteil – einige deutsche Offiziere besetzen Schlüsselpositionen im Rapid Reaction Corps France in LILLE.

Nebel liegt über dem Antreteplatz der Zitadelle - Blauer Bund
Nebel liegt über dem Antreteplatz der Zitadelle © Simon Baaske

Das Rapid Reaction Corps France (RRC-FRA) ist, ebenso wie das französische Heeresführungskommando (C.F.O.T.), im äußersten Norden des Landes, unweit der belgischen Grenze beheimatet. Die Indienststellung in 2005 erfolgte zwar um einige Jahre später als die vergleichbarer Korpsstäbe in anderen europäischen Staaten, ging aber der französischen Rückkehr in die integrierte Kommandostruktur der NATO noch um vier Jahre voraus. Nicht nur in zeitlicher Hinsicht fungiert das RRC-FRA somit und bis heute als Bindeglied zwischen der NATO und den französischen Streitkräften: Es ist die höchste verlegefähige Kommandobehörde der französischen Armee, in dieser Rolle federführend in der Beübung der beiden Heeresdivisionen sowie maßgeblich beteiligt an der Umstrukturierung der französischen Landstreitkräfte hin zu einer „Armee der fünften Dimension“ und „Start-Up Army“, wie es der französische Inspekteur des Heeres, General Pierre Schill, im Dezember 2023 betonte. Zugleich reiht es sich ein in die NATO-Streitkräftestruktur (kurz: NFS, engl. NATO Force Structure) als einer von insgesamt zehn verlegefähigen Korps-Stäben, die generisch neuerdings als „NATO Response Corps (NRC)“ bezeichnet werden. Die nun knapp zwanzigjährige Geschichte des Korps ist gekennzeichnet von der Bewährung in häufig wechselnden Rollen. So erfolgte zunächst die Zertifizierung zur High Readiness Force 2007, sodann zum Land Component Command (LCC) der NATO Response Force 2008, 2014 und 2022 – jeweils gefolgt von Phasen erhöhter Bereitschaft; ferner die Entsendung von Personal zu Stabilisierungsoperationen nach Afghanistan (ISAF/RSM) und als European Forces in den Tschad sowie die Zentralafrikanische Republik. Darüber hinaus werden seit 2015 kontinuierlich aus dem Stab heraus Kräfte zu den inländischen Antiterror-Operationen „Vigipirate“ bzw. „Sentinelle“ abgestellt. Im März 2024 wurde die Zertifizierung als NATO Warfighting Corps im Zuge der Übung LOYAL LEDA 24 abgeschlossen. Das Korps ist befähigt, bis zu fünf Divisionen und Korpstruppen, insgesamt rund 100.000 Soldaten, in einem Konflikt mit hoher Intensität zu führen. In die aktuellen Verteidigungsplanungen der NATO ist das RRC-FRA eng eingebunden. Es ist zu erwarten, dass die Rolle des Korps anlässlich des Washingtoner Jubiläumsgipfels der Allianz im Juli 2024 bestätigt werden wird. Bis auf weiteres soll es sodann bei dieser zugewiesenen Rolle bleiben, die erforderlichen Fähigkeiten werden durch geeignete Ausbildungs- und Übungsprogramme auch über Personalwechsel hinweg aufrechterhalten.

Die Troika im Rahmen der Übung Citadel Bonus 2023. Links Generalmajor Georg Klein, Mitte Generalleutnant Emmanuel Gaulin, rechts Generalmajor Jean Bouillaud - Blauer Bund
Die Troika im Rahmen der Übung Citadel Bonus 2023. Links Generalmajor Georg Klein, Mitte Generalleutnant Emmanuel Gaulin, rechts Generalmajor Jean Bouillaud
© CRR-FR / Amaury Duthoy

Die insgesamt rund 430 Soldaten stammen aus 14 Nationen, mit Frankreich als Gastgeber- und einziger Rahmennation. Die Nachbarländer Deutschland und Belgien stellen die nächstgrößeren Kontingente und besetzen Schlüsselpositionen. So ist der Stellvertreter des Kommandierenden Generals (Deputy Commander, DCOM) seit 2005 durchgehend ein deutscher Generalmajor, zudem dienen deutsche Offiziere in den Abteilungen G7 und G5 an besonders hervorgehobener Stelle. In den Abteilungen G2, G35, G4, G6 und Feuerunterstützung (JFIT) nehmen weitere deutsche Offiziere maßgeblichen Einfluss vor allem auf die Planungsarbeit. Insgesamt dienen beim RRC-FRA 14 deutsche Heeressoldaten, davon zwei in einem nationalen Unterstützunsgelement. Die vereinbarte Arbeitssprache ist Englisch, die Stabsverfahren orientieren sich an den Vorgaben der NATO – soweit jedenfalls die Theorie. Tatsächlich kann jedoch mit Blick auf die nationalen Anteile des Aufgabenspektrums weder in Gänze auf die Nutzung der französischen Sprache verzichtet werden noch auf die Kenntnis und fallweise Anwendung der nationalen Militärdoktrin. Diese teils widerstreitenden Belange immer wieder in einen sinnfälligen Ausgleich zu bringen, macht u.a. für das entsandte deutsche Personal die Herausforderung, nicht zuletzt aber auch den Reiz einer Verwendung beim RRC-FRA aus.

Der DACOS G5 trägt im Rahmen einer Planübung in Vorbereitung für die Übung Loyal Leda 24 zum Operationsplan vor. - Blauer Bund
Der DACOS G5 trägt im Rahmen einer Planübung in Vorbereitung für die Übung Loyal Leda 24 zum Operationsplan vor. © CRR-FR / ADC EMMANUEL

Die Rückbesinnung auf Landes- und Bündnisverteidigung als Raison d’être des Militärs wurde besonders deutlich im Zuge der letztjährigen, vierteiligen Übungsserie ORION 23 demonstriert. Unter Beteiligung zahlreicher NATO-Partner, darüber hinaus aber auch beispielsweise indischer Truppenteile, wurde über Monate hinweg die Intensivierung konventioneller wie auch hybrider Bedrohungen geschildert, denen durch abgestufte, sich ebenfalls steigernde Gegenmaßnahmen letztlich erfolgreich begegnet wurde. Nicht zuletzt durch die enthaltenen Volltruppenanteile handelte es sich bei ORION 23 um ein Übungsvorhaben, das in Frankreich, aber auch in weiteren Teilen Europas ohne Beispiel seit 1987 war, also seit der Spätphase des Kalten Krieges. Das Rapid Reaction Corps France spielte eine Schlüsselrolle bei der Vorbereitung und ebenfalls in der Durchführungsphase – mit Teilen im Leitungsdienst, aber auch als Teil der Übungstruppe. Das erfolgreiche Großprojekt soll in 2026 eine Wiederholung erfahren, und erneut ist RRC-FRA im vorgenannten Umfang beauftragt worden. Bis dahin liegen die Arbeits- und Übungsbeziehungen zwischen RRC-FRA und den Truppenteilen und Dienststellen des französischen Heeres jedoch keineswegs brach. Vielmehr wird der Übungskalender mit Blick v.a. auf die beiden Heeresdivisionen deutlich verdichtet. Für diese beiden Großverbände ist ein alternierender Rollenwechsel im Rhythmus von jeweils drei Jahren vorgesehen, zwischen dem Verantwortungsbereich „Europa“ und „übrige Welt“. Ersteres zielt v.a. auf den Beitrag Frankreichs zur atlantischen Allianz, letzteres vorrangig auf überseeische französische Territorien sowie die Region Afrika / Naher Osten. Hierdurch ergeben sich für die Soldaten des Deutschen Anteils einmalige Einblicke sowohl hinsichtlich der französischen Positionierung und Mitwirkung im Bündnis wie auch bezüglich der nationalen Interessenverfolgung in aller Welt.

Das mächtige Haupttor, die Porte Royal mit dem Namen der Liegenschaft: Quartier Boufflers, benannt nach Marschall Louis-François de Boufflers (1644-1711), einstigem Kommandeur der Stadt Lille und der Zitadelle - Blauer Bund
Das mächtige Haupttor, die Porte Royal mit dem Namen der Liegenschaft: Quartier Boufflers, benannt nach Marschall Louis-François de Boufflers (1644-1711), einstigem Kommandeur der Stadt Lille und der Zitadelle © Simon Baaske

Abschließend noch einmal ein Blick auf LILLE, die Heimat des RRC-FRA. Die Stadt, Herzstück des viertgrößten französischen Ballungsraumes und zugleich auch einer grenzüberschreitenden europäischen Metropolregion, hat den Soldaten und deren Familien viel zu bieten. Viel Grün, zahlreiche Gewässer, sehenswerte historische Bausubstanz und ein ausgefeiltes Nahverkehrssystem, zudem meist kurze Wege – viel mehr kann man von seiner Garnison kaum erwarten. Sollte man dennoch einmal auf Reisen gehen wollen oder müssen, so profitiert man vor allem von der exzellenten Anbindung auf dem Schienenweg: Eine Stunde Fahrzeit nach Paris, eine halbe nach Brüssel oder ca. 80 Minuten nach London – auch in dieser Hinsicht wird man es schwerlich besser treffen können. Ein weiteres Highlight dieser Attraktivitätsfaktoren stellt das von RRC-FRA genutzte Stabsquartier dar – die in unmittelbarer Innenstadtnähe gelegene Zitadelle von LILLE. Zwischen 1668 und 1671 wurde sie nach den Plänen des Marschalls Sébastien Le Prestre de Vauban gebaut, eben jenes Großmeisters der Ingenieurskunst, der für den Bau und die Modernisierung von über 100 weiteren Festungen und Verteidigungsanlagen verantwortlich war. Ludwig XIV. hatte den Bau dieses gewaltigen Verteidigungsrings an den damals neuen Grenzen Frankreichs veranlasst, nachdem er diese Gebiete im Frieden von Aachen zulasten der spanischen Niederlande zugesprochen bekommen hatte. Ungeachtet aller zwischenzeitlichen historischen Wechselfälle hat diese Grenzziehung bis heute im Wesentlichen Bestand.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Dienst im RRC-FRA von den Soldaten des Deutschen Anteils als gleichermaßen sinnstiftend wie attraktiv empfunden wird. LILLE ist nicht nur eine Reise wert – wer darüber hinaus als geeignet für eine hiesige Verwendung identifiziert wird und eine solche angeboten bekommt, sollte zugreifen!

Text: Hauptmann Simon Baaske